Frauen Union fordert betriebliche Vereinbarungen zur Chancengleichheit
„Schub für Umsetzung der Gleichberechtigung im Arbeitsleben“
Die Frauen Union Main-Taunus hat anlässlich des Internationalen Weltfrauentags, der am 8. März 2010 begangen wird, verstärkte Initiativen zur Umsetzung der Gleichberechtigung im Arbeitsleben gefordert. „Die Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt ist in den letzten Jahren vorangekommen. Der zunehmende Wunsch von Frauen, sich am Erwerbsleben zu beteiligen, hat sich in einer steigenden Frauenerwerbsquote niedergeschlagen, die mittlerweile bei 71 Prozent liegt. Doch der rein quantitative Aspekt einer erhöhten Erwerbstätigkeit von Frauen ist nicht alles. Es muss auch Chancengleichheit bei der Qualität der Arbeitsverhältnisse erreicht werden. Die Tatsache, dass Frauen in Deutschland 23 Prozent weniger verdienen als Männer und in Führungspositionen nicht angemessen vertreten sind, zeigt, dass hier noch viel zu tun ist“, erklärte Kreisvorsitzende Cordula Stender.
Teilzeit ist eine Frauendomäne
Bei den wichtigen Indikatoren Arbeitszeit, Qualifikationsstruktur der Belegschaft und Führungsverantwortung, die das Beschäftigungsverhältnis charakterisierten, gebe es noch immer deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede. „Teilzeit ist nach wie vor weiblich. Frauen stellen einen Anteil von 80 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten – vor allem, um berufliche und familiäre Verpflichtungen bestmöglich in Einklang zu bringen“, erläuterte Cordula Stender. Beschäftigung in Teilzeit sei aber nicht nur mit Vorteilen verbunden, sondern auch mit Nachteilen für den Beschäftigten und den Betrieb. Sie sei vielfach ein Hemmschuh für berufliche Weiterentwicklung, habe negative Auswirkungen auf das Einkommen und die finanzielle Sicherung im Alter.
Führungspositionen sind eine Männerdomäne
In den Betrieben sei der Anteil gut qualifizierter Frauen gestiegen, nicht aber deren Präsenz in Führungspositionen. 44 Prozent aller Beschäftigten seien Frauen, der Frauenanteil auf der ersten Führungsebene liege nach wie vor bei 25 Prozent. „Knackpunkt ist, dass für die Übernahme von Führungsverantwortung das Engagement über die geregelten Arbeitszeiten hinaus vorausgesetzt wird. Mit familiären Pflichten ist das nur schwer zu vereinbaren.“ Hier sei eine Bewusstseinänderung erforderlich, auch in Richtung einer partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit, sowie der weitere Ausbau der Kinderbetreuung.
Engagement für Chancengleichheit noch verhalten
Die CDU-Frauen schlagen vor, dass betriebliche Vereinbarungen zur Verbesserung der Chancengleichheit von Männern und Frauen geschlossen werden. „Dieses Instrument, das individuell auf die jeweilige betriebliche Situation zugeschnitten werden kann, wird viel zu selten genutzt“, so Cordula Stender. Der Anteil der Betriebe, die freiwillige Initiativen, betriebliche oder tarifliche Vereinbarungen zur Verbesserung der Chancengleichheit aufweisen, hat sich seit dem Jahr 2002 kaum verändert, wie das Betriebspanel des Instituts für Arbeits- und Berufsforschung zeige. Nur in jedem zehnten Betrieb mit mindestens zehn Beschäftigten galten im Jahr 2008 betriebliche oder tarifliche Vereinbarungen zur Förderung der Chancengleichheit.
Auch bei Einzelmaßnahmen sei nur ein leichter Anstieg zu verzeichnen. „Das betriebliche Engagement im Bereich der Chancengleichheit ist noch verhalten“, so die Vorsitzende. Von allen Betrieben in Deutschland realisierten etwa sieben Prozent Maßnahmen zur Erhöhung der Chancengleichheit von Frauen und Männern. „Mit steigender Betriebsgröße steigt auch der Anteil aktiver Gender-Politik. Sie konzentriert sich allerdings insbesondere auf Hilfestellung bei der Kinderbetreuung. Die Aktivitäten bei der gezielten Förderung des weiblichen Nachwuchses und der gezielten Karriereplanung stagnieren“.
2004 gaben nur zwei Prozent der Betriebe an, Angebote wie beispielsweise betriebliche Kinderbetreuung, finanzielle Hilfen oder andere Formen der Kinderbetreuung zu machen; 2008 waren es sechs Prozent. Der Anteil der Betriebe, der Angebote an Beschäftigte in Elternzeit macht, erhöhte sich von 11 auf 21 Prozent. Demgegenüber gab es kaum Veränderungen bei der gezielten Karriereförderung von Frauen. Auch im Jahr 2008 boten nur rund fünf Prozent der Betriebe Mentoringprogramme, gezielte Karriereplanung oder ähnliches an. Besonders aktiv sind Betriebe, die hochqualifizierte Frauen einstellen.
Frauen als Fachkräfte gewinnen
Positiv sei zu registrieren, dass in den Betrieben die Einschätzung zunehme, dass solche Maßnahmen zur Erreichung frauen- und familienfreundlicher Rahmenbedingungen sinnvoll und notwendig seien. „Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und eines befürchteten Fachkräftemangels gewinnen Frauen auf dem Arbeitsmarkt an Bedeutung. Der Strukturwandel hin zur Dienstleistungsgesellschaft erhöht die Beschäftigungschancen von Frauen, die in den Dienstleistungsberufen stark vertreten sind“, gab Cordula Stender zu bedenken.










